Das Ende der Käfighaltung von Legehennen in der Europäischen Union?Wie sieht die Zukunft für die Züchter in den nächsten Jahren aus?
Seit einigen Jahren wird in ganz Europa eine Diskussion geführt, die zunehmend den Alltag der Geflügelhalter beeinflusst: Wird die Europäische Union die Käfighaltung von Hühnern verbieten – und wenn ja, wann? Für viele Betriebe ist diese Frage nicht mehr nur theoretischer Natur. Die Änderungen rücken immer näher – und in einigen Ländern sind sie bereits in Kraft getreten.
Wir werfen einen Blick auf die aktuelle Rechtslage, die Richtung der Veränderungen und die Auswirkungen auf Eierproduzenten.
Erwähnenswert ist, dass der Ausgangspunkt für die geplanten Änderungen die europaweite Bürgerinitiative „End the Cage Age” war, die 2018 von mehr als 1,4 Millionen EU-Bürgern unterzeichnet wurde. Als Reaktion darauf kündigte die Europäische Kommission im Jahr 2021 an, neue Vorschriften zu erarbeiten, die die Verwendung von Käfigen bei der Haltung bestimmter Tierarten, darunter Legehennen, verbieten.
Obwohl die endgültige Form der Vorschriften noch Gegenstand von Konsultationen ist, steht eines fest: Die EU beabsichtigt die Abschaffung der Käfighaltung, und die Änderungen könnten bereits in den nächsten Jahren in Kraft treten.

Wie sieht die Situation in den einzelnen Ländern aus?
Obwohl die EU-Vorschriften noch in Vorbereitung sind, handeln einige Mitgliedstaaten bereits heute eigenständig, anstatt auf gemeinsame Vorschriften zu warten:
- Deutschland:die Käfighaltung wird ab 2026 verbieten. Für einen Teil der Betriebe, die kürzlich in neuere, den EU-Normen entsprechende Käfige (sogenannte ausgestaltete Käfige mit Nestern, Sitzstangen und mehr Platz) investiert haben, ist eine vorübergehende Aussetzung des Verbots vorgesehen, maximal jedoch um einige Jahre. Dies ist eine Schutzmaßnahme für Landwirte, die mehr Zeit für die technische Umstellung ihrer Systeme benötigen.
- Österreich: Das Verbot neuer Investitionen in Käfigsysteme ist bereits in Kraft und alle bestehenden Anlagen müssen bis spätestens 2030 verschwunden sein.
- Tschechien und die Slowakei: Ab 2027 dürfen in diesen Ländern keine Eier aus Käfighaltung mehr verkauft werden.
- Niederlande: Obwohl es keine offiziellen Verbote gibt, haben sich Handel und verarbeitende Industrie praktisch vollständig aus dem Verkauf von Käfigeiern zurückgezogen – sowohl im Direktverkauf als auch in verarbeiteten Produkten.
Die Entscheidungen der größten Marktteilnehmer wie Deutschland wirken sich auf den gesamten EU-Markt aus. Dies ist nicht nur ein Impuls für die Verbraucher:innen, sondern auch ein politisches Signal: Andere Länder müssen nachziehen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Änderungen im Gesetz sind jedoch nur eine Seite der Medaille. Auch der Druck seitens der Verbraucher und Handelsketten wird immer größer: Viele von ihnen akzeptieren bereits heute keine Eier aus Käfighaltung mehr. Einzelhandelsketten, Lebensmittelhersteller und Restaurants verpflichten sich zunehmend, bis 2025 bzw. 2030 vollständig auf Eier aus Käfighaltung zu verzichten. Das bedeutet, dass der Markt diese Modernisierung ohnehin erzwingen wird – unabhängig vom Tempo der Gesetzesänderungen.
Doch welche Alternativen zur Käfighaltung gibt es?
Es stehen mehrere alternative Systeme zur Auswahl, die freundlicher für die Hühner sind, aber auch andere technische Anforderungen stellen. Jedes hat seine Eigenheiten, daher lohnt es sich, gut zu überlegen, welches am besten zu Ihrem Betrieb passt.
- Streuhaltung: Die Hühner bewegen sich frei im gesamten Innenbereich des Gebäudes und haben Zugang zu Streu, wo sie ihren natürlichen Bedürfnissen wie Picken und Scharren nachgehen können.
- Freilandhaltung: Zusätzlich zum Platz im Hühnerstall haben die Tiere Zugang zu einem eingezäunten Außenbereich. Dadurch können sie ein natürlicheres Leben an der frischen Luft führen.
- Ökologische Haltung (Bio): Der höchste Standard, der eine natürliche Umgebung, ökologisches Futter und eine begrenzte Anzahl von Hühnern erfordert, um ihnen die bestmöglichen Lebensbedingungen zu bieten.

Auch die mobile Geflügelhaltung wird immer beliebter. Dabei leben die Hühner in mobilen Ställen, die regelmäßig auf eine neue Weidefläche verlegt werden. So haben die Tiere stets Zugang zu frischem Gras und einer natürlichen Umgebung. Das kommt ihrer Gesundheit, Aktivität und ihrem allgemeinen Wohlbefinden zugute. Die Rotation der Standorte fördert zudem die Regeneration des Bodens, verringert das Krankheitsrisiko und macht kostspielige Desinfektionsmittel sowie Investitionen in feste Infrastruktur überflüssig.
Für die Landwirte bedeutet dies mehr Flexibilität, geringere Anfangskosten und die Möglichkeit, ihre Tätigkeit umweltfreundlicher auszuüben. In Zeiten wachsenden Verbraucherbewusstseins und steigender Erwartungen hinsichtlich ethischer Tierhaltung und ökologischer Lebensmittelproduktion werden mobile Geflügelhaltungssysteme zum Symbol für verantwortungsbewusste und zukunftsorientierte Landwirtschaft.

Die kommenden Jahre sind zweifellos eine Zeit der Herausforderungen, bieten aber auch die Chance für einen Kurswechsel in der Tierhaltung, bei dem Wirtschaftlichkeit mit dem Schutz von Tieren und Umwelt verbunden wird. Die Wahl des richtigen Systems kann für die Produktionsergebnisse und den Ruf des Betriebs auf dem immer anspruchsvolleren europäischen Markt von entscheidender Bedeutung sein. Es geht nicht nur um die Anpassung an die Gesetzgebung, sondern um einen Schritt in Richtung einer Tierhaltung, in der das Wohlergehen der Tiere und die Rentabilität des Betriebs Hand in Hand gehen.
Bei der Einführung neuer Haltungssysteme muss man nicht auf sich allein gestellt sein, denn in vielen Ländern gibt es finanzielle Unterstützungsmaßnahmen wie Zuschüsse, günstige Kredite oder Beratungsangebote. Die Verfolgung aktueller Programme kann den gesamten Prozess erheblich vereinfachen und beschleunigen.



